DLC oder: Der Rest ist für Sie

Grüße!

Es war einmal eine Zeit, da gab es nur das Hauptspiel. Wir gingen in den Laden, kauften eine Pac-Man-Cartridge, gingen nach Hause und spielten. Später kauften wir uns Tetris, Sonic und Mario Kart. Und während es auf Konsolen immer so weitergehen sollte, endete das Hauptspielmärchen irgendwann auf dem PC. Und wenn sie nicht gestorben sind, so spielen sie noch heute haupt.

Und dann …

Christian spieltEs war einmal eine Zeit, da verkaufte sich auf dem PC das Hauptspiel so gut, da brachte der Hersteller ein umfangreiches, im Verhältnis preiswertes Add-On heraus. „Price of Loyalty“ für „Heroes of Might and Magic II“ ist, soweit ich mich erinnere, das erste Add-On, das ich mir gekauft habe.

Was war das für ein Knaller! Etliche neue Karten, viele neue Helden, Items, Kampagnen … Add-Ons gab es zu Hauf. Gute, schlechte, günstige, teure. Aber alle hatten sie eins gemeinsam: Man musste das Hauptspiel installiert haben. Dieses Märchen, im Gegensatz zum ersten, hat jedoch kein Happy End. Und wenn sie nicht gestorben sind … DOCH, sie SIND gestorben. Es gibt zwar heute noch Add-Ons im Stile von früher, aber mir fällt spontan wirklich keins ein, das nicht der nächsten Kategorie angehört.

Denn, und dann …

Es war einmal eine Zeit der Rebellion. Jahrelang waren sie von ihren Mutterspielen abhängig, doch irgendwann erhoben sie die Schwerter, Sturmgewehre, Zauberstäbe und Baugenehmigungen: Die Add-Ons wurden zu Standalones. Standalones sind – grob gesagt – nichts anderes als Add-Ons, die ganz ohne ihr Hauptspiel auskommen. Dafür in der Regel aber auch ohne den günstigen Preis ihrer Vorgänger, Standalones kosten oftmals unwesentlich weniger als das Original. Und wenn sie nicht gestorben sind … oh nein, ganz im Gegenteil. Bald kommt Shogun 2 – Rise of the Samurai. Spielt zwar, ebenfalls wie Shogun 2, in Japan, bekommt aber ein komplett anderes Setting. Die Unterschiede sind in meinen Augen auch groß genug, dass sowohl Shogun-Neueinsteiger wie auch -Besitzer ausreichend Anreize haben werden, einen Blick hineinzuwerfen. Oder zu warten, bis der Steam-Deal kommt.

Ihr ahnt, was jetzt kommt.

Der „böse Auswuchs“, die „kapitalistische Kehrseite“, die „Abzock-Teufelei“ der Add-On-Entwicklung. DOWNLOAD CONTENT! Kurz: DLC.
Von einer simplen Rüstung über ein kleines Map-Pack bis hin zu einer Mini-Kampagne oder einem zusätzlichen Multiplayer-Spielmodus kann das praktisch alles bedeuten.
Und „die Spieler“ HASSEN DownLoad Content, jedenfalls erscheint es so, wenn man entsprechende Threads in Foren verfolgt.
Probiert es einfach mal aus! Eröffnet einen neuen Thread und freut euch über den neuen DLC zu Spiel xy. Ihr werdet so gnadenlos niedergemacht von den Spiele-Anarchisten und -Sozialisten. Da gibt es nur eins: weitertrollen, weitertrollen, weitertrollen. Eure Meinung, weicht sie nämlich davon ab, ist Ketzerei.

Warum sind DLCs so verhasst? Nun, es besteht der Glauben, früher hätte man solche zusätzlichen Inhalte umsonst bekommen. Maps, Skins und Spieler-Models gab es von der Community (z.B. Unreal Tournament), oder in größerem Umfang in einem vollwertigen Add-On vom Hersteller. Dazu sag ich nur eins: Add-Ons haben auch Geld gekostet.
Was sonst? DLCs sind gnadenlos überteuert. Zugegeben, es gibt wirklich Angebote, da zweifle ich auch am Preis-Leistungs-Verhältnis. Darunter haben aber auch andere Sparten zu leiden. Wenn Jowood für die Betaversion des dritten Gothic-Teils 50 € verlangt, ist das auch nicht in Ordnung.
Durch DLCs bekommt man nur noch Teilversionen zum gleichen Preis. Okay: Es stimmt tatsächlich, dass heute oft Spiele hergestellt werden, deren vollständiger Inhalt erst mit kostenpflichtigen Codes freigeschaltet werden kann. Alternativ greift man zur Limited-Edition oder ehält die Codes als Vorbesteller-Bonus. Ein Beispiel, das mir dazu einfällt, ist ein Heavy Rain – dort gibt es den „Tierpräparator“, ein Kapitel, das ein bisschen was zur Vorgeschichte erzählt. Nice to have, aber als Nichtkäufer bzw. -besitzer dieses Kapitels hat man absolut keine Nachteile. Ganz ehrlich? Ich finde, hier verhält es sich ein wenig wie zu Filmen auf Blu-ray oder DVD. Die Special Edition hat auch mehr Inhalt bei höherem Preis. Der Film ist allerdings auf der Standard Edition genauso gut (ähm … oder schlecht). Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass diese Entwicklung für weiterhin stabile Spielpreise sorgt. Ist euch aufgefallen, dass ein Videospiel heute genauso viel kostet wie zu PS2- oder gar Super Nes-Zeiten? Wenn man sich nicht ganz dumm anstellt, bekommt man ein brandneues Spiel auf der Konsole für 50 € oder sogar günstiger. Wartet man eine kurze Weile, stolpert man sogar über das ein oder andere Schnäppchen. Batman – Arkham City kam Ende Oktober ’11 für die Konsolen heraus, Anfang Dezember hab ichs für knapp über 30 € entdeckt. Neu und original!
Ein Topseller für 60 Mark, gerade eben erst erschienen. Warum?
Ich bin mir absolut sicher, die DLC-Entwicklung ist ein Grund für die stabilen Spielpreise. Ohne DLCs würde nicht nur Real,- für ein neues Spiel 69,95 € verlangen.

DLCs: „schlechter Witz“, „Cashcow-DLC“, „Schafe, die jeden sch… DLC kaufen“, „Abzocke“, „Geld aus der Tasche ziehen“, „auf übelste Weise abgezogen“ …
Das sind nur ein paar Formulierungen aus einem einzigen Thread.

Ich habe, und das habt ihr sicher schon erkannt, eine andere Einstellung dazu.

„Der Rest ist für Sie!“

Habt ihr schonmal Trinkgeld gegeben? Sicher, oder?

DLCs sind in meinen Augen „Trinkgeld Premium“. Premium, weil man dafür auch noch eine Gegenleistung bekommt. Es ist ein bisschen, wie wenn ich der hübschen Kellnerin 3,99 € gebe und sie mich anschließend auf einen Cappuccino einlädt.
Ich habe Geld ausgegeben für das Hauptspiel. Es hat mich gut unterhalten, ich hatte meinen Spaß damit und habe ihn immer noch, mittels Multiplayer. Das Essen hat sehr gut geschmeckt, der Kellner war höflich und sehr freundlich.
Was soll ich sagen? Selbstverständlich will ich diese Leistung honorieren. Jetzt lasse ich auch gerne was extra springen – und zum Dank kommt der griechische Restaurantbesitzer und schmeißt ne Runde Ouzo!
Der Abend ist perfekt.

Ich bin sehr gerne bereit, mehr zu bezahlen als unbedingt nötig, wenn die Qualität stimmt. „Geiz ist geil“ ist der Grund für die Krise, die wir derzeit haben (nein, nicht Saturn, sondern die Mentalität). Warum teure Fachkräfte einstellen, wenns billige Zeitarbeiter auch tun? Aber das ist ein anderes Thema – nein, darüber habe ich nicht vor, zu bloggen.

Der Hersteller/Publisher will Geld verdienen. Ich will Spaß haben.
Habe ich Spaß, verdient der Hersteller/Publisher Geld. Verdient der Hersteller Geld, habe ich Spaß.
Ich finde es witzig, wie den Herstellern/Publishern trotzdem immer wieder vorgeworfen wird, dass sie Geld verdienen wollen! Ich fände es aber noch viel witziger, wenn uns mal ein Publisher vorwirft, wir wollen Spaß haben.

Jeder soll sich den DLC kaufen, den er möchte. Jeder soll so viel ausgeben, wie es ihm wert ist. Jeder Publisher soll so viel Geld verdienen, wie er es sich verdient hat!

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7 Antworten zu DLC oder: Der Rest ist für Sie

  1. todays date schreibt:

    …manche scharfzungen bringen highscore´s,was fehlt ist die ausdauer bei this kind of sport????….

  2. Gamerweibchen schreibt:

    Wahre Worte, mein Freund. Wahre Worte.

  3. Vecrix schreibt:

    True Story.

    An sich find ich DLCs ja eigentlich schon okay. Eben so kleinigkeiten wie die Tierpräperator-Zusatzepisode oder Ähnliches. Die Sache ist natürlich auch, dass viele Mappacks oder Zusatzkostüme, etc. konnte man sich früher (am PC!) gratis herunterladen, der Moddingszene sei Dank – oder sofern sie direkt vom Entwickler kamen waren zusätzliche Kostüme eben einfach freispielbar.

    Mich stören DLCs überhaupt nicht, sofern sie nicht Storyrelevant sind. Ich mein, was ändert das jetzt an meinem Spielerlebnis, ob Lara Croft im Badeanzug oder Weihnachtsmannoutfit durch die Gegend rennt? Solang es eben ein kleines Schmankerl bzw eben ein „Trinkgeld“ bleibt ists doch total okay. Wichtig ist meiner Meinung nach nur, dass ich trotzdem als „DLC-Nichtkäufer“ in den vollen Genuss des Spiels komme.

    Nur was mich wirklich aufgeregt hat: In Assassins Creed 2 wurden zwei Kapitel direkt herausgeschnitten. Soll heißen nach Sequenz 11 sprang es direkt zu Sequenz 14. DAS find ich hingegen dann schon wieder dreist, wenn einem wirklich so vehement unter die Nase gerieben wird, dass einfach ein Teil des Spiels fehlt.

  4. Wambologen schreibt:

    (Christian-Comment) Guten Morgen … erstmal: Danke fürs Followen! Mögest du viel Spaß haben auf unserer Seite 😉
    also, ich hab mir vor kurzem Soul Calibur IV geholt für die PS3 – gebraucht, irgendwas um die 11-12 €. Der DLC, mit dem man Yoda als Spielcharakter bekommt, war mir mit 3,99 € eigentlich etwas teuer (zugegeben, durch Yoda kann man noch eine weitere Figur – den Force Unleashed-Schüler – und einen Hintergrund freischalten). Habs aber dennoch getan, weil mich SC4 bisher sehr gut unterhält und ich Namco damit eni bisschen zusätzlich belohnen wollte. Immerhin haben sie sonst ja nichts an mir verdient.

    Bei AC2 … nun, sind das storyrelevante Kapitel? Oder auch eher so wie der Tierpräparator?

  5. Vecrix schreibt:

    Ja klar, gerade bei guten Gebrauchtspielen find ichs auch nicht schlimm mal ein paar Euro zusätzlich auszugeben. Wobei – da kommts natürlich imo schon stark darauf an, um was es sich genau handelt – neue Charaktere in nem Beat ‚em Up sind natürlich schon ne tolle Sache. Und für 4 Euro zwei neue Figuren geht schon, hätte ich mir wahrscheinlich auch geholt. Bei Zusatzkostümen würd ich allerdings wie gesagt eher passen, da ich dadurch absolut keinen Mehrwert beim zocken hab.

    Ich würde sagen weder noch. Der Tierpräperator war halt eigentlich schon komplett unabhängig und hat eine ganz eigene unabhängige Geschichte, weit vor den eigentlich Origamimorden erzählt. Quasi als eine Art Miniprequel zu Madisson. Bei ACII sind die beiden Kapitel nicht zwingend Storyrelevant – man wird also nach dem Abspann nicht wegen ihnen vor Unwissenheit eingehn. Ein paar kleinere Details werden verraten, der ein oder andre Auftrag und neue Templerverstecke werden freigeschalten.. an sich nichts weltbewegendes. Mich stört eben, dass es weder einfach nur ein Prequel, ein Sequel oder eine kurze Spin-off Episode ist, sondern direkt zumindest lose am Gesamtwerk hängt, mit wenn auch irrelevanten Bezügen zum Hauptspiel. Einfach, dass einfach der Spieler direkt das Gefühl hat, dass aus dem fertigen Produkt zwei volle Kapitel herausgeschnitten wurden, nur um somit mehr Geld eintreiben zu können.

    Gegen DLCs an sich hab ich ja nichts, sie sind eben ein kleiner Bonus, für diejenigen, denen das Spiel gefallen hat. Nur sobald man ein (scheinbar) unfertiges Produkt erhält und für den Rest auch noch draufzahlen darf – da hörts dann bei mir doch auf.

    • Wambologen schreibt:

      (Christian-Comment) 2 Figuren UND ein weiterer Hintergrund, hehe. Im Moment gibts ja die Riesenaufregung zum Mass Effect 3-Day One-DLC. Und die Spieleseiten sprudeln nur vor „Spiel X: DLC angekündigt“-Meldungen.

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