Früher …

… wars auch schön.

Grüße!

Heute war es mal wieder soweit: In einem Forum stöbernd entdeckte ich den beliebten Satz „Früher war alles besser“. Dieses Mal ging es um das eben erschienene und offenbar lieblos hingeklatschte Remake zum grandiosen Evergreen Jagged Alliance 2. In Threads zum ebenfalls neu herausgekommenen Final Fantasy XIII-2 (welch Name!) würde ich aber sicher genauso fündig.

Nach nun bald zweieinhalb Dekaden des Daddelns kann ich sagen, ich blicke auf genug „früher“ zurück, um mal ein bisschen darüber zu schreiben. Dabei weiß ich jetzt schon, dass ich bei meiner Eingangsaussage bleibe.

Früher wars auch schön.

Christian spieltAber besser?

Und vor allem – welches Früher soll denn besser gewesen sein? Die gute alte C64-Zeit? Die Ära der Cartridges? Die glorreiche Zeit der PS1? Die Quicksave-Phase? Ja, achtet mal darauf, Quicksave ist so gut wie tot. Wir sind wieder da angekommen, wo wir z.B. bei Sonic Laternen berührt haben, an denen wir nach dem Ableben magisch wiederauferstanden. Nur, dass uns damals ein Leben abgezogen wurde.

Lege ich mich heute gammelnd auf die Couch, den schnurlosen (und hoffentlich aufgeladenen) PS3-Controller in der Hand, wühle ich mich bequem durch die Spielebibliothek.
Oh ja, auf der 160 GB-Festplatte sind Spiele gespeichert, für die ich gar kein Medium einlegen muss. Worauf hab ich Lust? Was Modernes, wie Dungeon Defenders oder Dead Nation? Warhammer 40,000 Kill Team?
Oder reise ich in die Vergangenheit, mit Sonic 4 oder Bomberman Ultra?

Diese kabellose Freiheit, die möchte ich ganz sicher nicht missen. Klar, Funk-Controller hatten wir damals auch schon, bloß mussten wir da umständlich die Batterien wechseln – und es gab kein Bluetooth. Heißt, wir brauchten eine direkte Linie zum Empfängergerät, und die Reichweite ließ ebenfalls zu wünschen übrig.

Auch verbringe ich gerne online ein paar Runden mit Kumpels, wie dem David – siehe Multiplayerblog.

Das ging früher nicht!

Dafür gab es früher (ohja, dieses Wort werde ich wohl noch oft benutzen) Lebensbalkenstrategiespiele. Dune 2, Command & Conquer, Age of Empires, StarCraft … grob gesagt, das sind die Spiele, in denen sich zwei Einheiten gegenüberstehen und sich gegenseitig den Lebensbalken runterklopfen, bis einer auf null ist.
Ganz ehrlich, ich kann die nicht mehr anpacken. Seit ich Total War kenne mit seinen realistischen Massenschlachten und vor allem aber auch Einzelduellen – siehe Video – haben andere Strategietitel kaum noch eine Wirkung auf mich.
Schade nur, dass es außer Total War nicht wirklich eine andere Reihe gibt, die das Prinzip ähnlich gut umsetzt.

Früher gab es Genres, die heute praktisch ausgestorben sind. Point & Click-Adventures wie Monkey Island, nun, sowas spielen wohl nur wir Nostalgiker. Flugsimulatoren, joah, heute kommt alle 2 oder 3 Jahre einer raus. Weltraumflieger? Götter im Himmel, was haben wir früher TIE Fighter, X-Wing, X-Wing vs. TIE Fighter und die Wing Commander geliebt. Oder?
Interessiert heute auch niemanden mehr.

Okay, ich muss aufpassen. So langsam fang ich an zu wackeln, so langsam fang auch ich an, in die gleiche Kerbe zu schlagen. Ach kommt schon, Lucas Arts, gebt uns doch einfach nur ein neues XvT. Und wie geht die Geschichte nach Wing Commander: Prophecy weiter?

Ja, ist ja gut. Heute ist nicht alles besser. Es gibt für uns Daddler noch genug Gründe, Annodazumal hinterherzutrauern.

Zum Beispiel – ich hab ihn bereits erwähnt – den Quicksave.
Hach, war das herrlich in den Ego-Shootern, jederzeit speichern zu können, ohne lästigen Sprung ins Menü, ohne merkliche Spielunterbrechung, ohne …
äh, ja, ohne Herausforderung. Das uferte irgendwann so aus, dass ich die Quicksave-Taste häufiger drückte als den Feuerknopf. Endgegner waren kaum mehr ein Problem – Quicksave nach jedem Treffer, Quicksave nach erfolgreichen Ausweichen. Dank der Konsolen ist diese Funktion jedoch wieder so gut wie ausgerottet, und ganz ehrlich? Danke. Das war Atmosphärenkiller Nummer 1.

Wo wir wieder beim Eingangsthema wären: Das legendäre Jagged Alliance 2 hatte Quicksave. Bei Back in Action (dem Remake) kann man während der Kämpfe nichtmal normal abspeichern.

Früher haben wir die Level auswendig lernen müssen, um sie zu schaffen. Wir brauchten Wochen, um ein Spiel durchzuspielen, das eine Nettospielzeit von 2-3 Stunden hatte – weil wir alles nach der ersten Stage eben in unser Gedächtnis einprügeln, -hüpfen und -schießen mussten. Achtung, Fass, das heißt oben ausweichen, vorsicht, zwei Palmen, jetzt ducken und dann sofort springen MIST! Vergessen, in der Luft abzublocken …
aber wehe, wir sollten in der Schule den Ribbeck uns einprägen. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand. Er is dod nu! Wer givt uns nu ne Beer?
Ganz ehrlich, ich bin so froh, dass das vorbei ist. Beides. Ich will heute kein Spiel mehr durchspielen, weil ichs auswendig kann. Ich wills durchspielen, weil meine Reaktionen, mein Spielverständnis und meine Genauigkeit sowie Gamepad-Training es mir ermöglichen.
Selbst ein Gedicht zu schreiben ist besser als auswendig lernen.
Darum ist „Sören mag Möhren, Charlotta mag Otter“ besser als der olle Ribbeck.

Früher hatten wir dicke Handbücher, heute haben wir dicke Tutorials – am besten noch mit einer Ingame-Enzyklopädie wie bei Shogun 2 (super Lösung Leute!). Schon mein Fahrlehrer sagte: „Praxis is wichtiger als Theorie!“ Und Herberger bestätigt: „Wichtig is aufm Platz!“
Ich erinnere mich noch grob an früher, wenn ich ein neues Spiel bekommen habe. Handbuch raus, überfliegen, Steuerung nochmal ansehen. Spiel rein. Anmachen. „Press Start“ – äh, und jetzt? Alles wieder vergessen, vor allem bei Beat’em Ups und Wrestling-Spielen trat das Phänomen besonders häufig auf.
Vielleicht werde ich auch langsam alt – wobei, halt, natürlich werde ich alt, sonst würde ich kaum nen Nostalgie-Blog schreiben – aber ich bin bei jedem neuen Spiel dankbar, das mich daran erinnert, dass ich mit dem linken Analogstick laufe und mich mit dem rechten umsehe. Oh, und wenn es mich auch noch fragt, ob ich den Stick in die richtige Richtung gedrückth abe, oder ob das Spiel für mich die Steuerung invertieren soll. Herrlich, ich fühl mich, als hätte ich einen Daddel-Zivi! Aber daran ist doch nichts verkehrt.
Nachdem ich rund eineinhalb Jahre kein Total War mehr gespielt hatte (Empire), hatte ich das Shogun-Tutorial bitter nötig.

Früher hatten wir Soundkarten – und die waren teilweise echt nicht günstig. Es ist schon praktisch, wenn man heute keine 50-100 € für ne anständige Soundblaster hinlegen muss, weil der Sound auf dem Mutterbrett ist. Im Gegensatz zu Onboardgrafik langt das nämlich völlig aus, jedenfalls für ne 2.1er-Lösung.
Oh, und die Soundkarte war damals bitter nötig, denn wir hatten noch kein USB …

also wo rein mit dem Gamepad – beziehungsweise viel wahrscheinlicher: dem Joystick? In die Soundkarte, selbstverständlich. Geht mir heute noch nicht in den Kopf rein, warum ausgerechnet meine Soundblaster (uh … meine erste Karte war von Aztech, und ich hatte dauernd Kompatibilitätsprobleme) für meinen Joystick zuständig war? Wie auch immer. Mit USB haben diese Tonmaschinen ihre letzte Daseinsberechtigung verloren, für mich jedenfalls.

Joysticks, brauchen wir nicht lang drüber reden. Uhm, ICH rede, IHR lest. Wingman, Sidewinder, ich hatte sie alle. Und was hab ich den MS Sidewinder geliebt! Aber mangels Spielen wurde auch er irgendwann überflüssig. In meiner Steam-Bibliothek sind nur noch die X-Teile, für die sich ein Joystick lohnen könnte. Und, falls David und ich es endlich wahrmachen und ein paar Onlineschlachten mit X-Wing: Alliance austragen werden. Wenn das passiert, verspreche ich einen Blog! Oder drohe damit, je nach dem, wer von uns schreiben wird.
Bis dahin könnt ihr natürlich auch einen Blick auf den Retro-Blog von Retro Legacy werfen. Die sind zwar nicht so alt wie ich, haben aber anscheinend auch einiges mitmachen müssen.

Game over man, Game over! Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Mal im Ernst: Wie KANN man nur? Wie kann man ein Spiel so konzipieren, dass so ganz plötzlich, im letzten Level, einen die Erkenntnis trifft, dass die letzten 3 Stunden völlig umsonst waren? Letztes Continue verbraten, letztes Leben verloren.
Game Over. Try Again?
Natürlich YES. Wir Daddler waren ja früher solche Masochisten. Ich glaube, es war dieser Nervenkitzel, dass jeder Schritt wohlüberlegt sein musste. Jeder Fehler im „Earlygame“, um es neudeutsch zu sagen (haha), konnte bedeuten, dass man im „Lategame“ nicht stark genug war, um den Endboss zu besiegen.
Was ist heute? Wir passieren alle 5 Meter (Call of Duty) oder alle 50 bis 5.000 Meter (Bionic Commando) einen Checkpoint. Kurz vorm Endboss respektive dem letzten Quick Time Event gibts nochmal so einen Checkpoint. Wenn wirs dann verhauen, können wir diese Sequenz unendlich oft wiederholen.

Sagen wir mal so: Das Gamerleben heute ist schon recht einfach.
Wir haben Tutorials, Autoheal und unendlich Leben. Findet die „Früher war alles besser“-Fraktion natürlich unerträglich.

Ich nicht.

Game Over? It’s not over until it’s over!

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4 Antworten zu Früher …

  1. Pingback: Neues bei den Wambologen – Früher « Retro Legacy

  2. Daniel schreibt:

    Ich schwöre ja auf den Amiga500 der hieß doch so oder 😀 Das war schon der Hammer ich saß Wochen davor! Meine Eltern sind damls fast nur ausgerastet 😀 Iatlia90 glaub es nhieß so war der hammer! So genug zurück in die Vergangenheit die Gegenwart ruft wieder 😉

    LG

  3. Wambologen schreibt:

    (Christian-Comment) World Cup Italia 90? War eins meiner ersten Spiele auf dem eigenen Mega Drive … neben Sonic hatten wir noch eine Compilation mit WC 90, Columns und Hang On.
    WC 90 war für mich damals echt die Offenbarung, SO musste ein Fußballspiel sein.
    Naja, und dann kam European Club Soccer und stelle die Welt für mich auf den Kopf.
    Bis Fifa 95 dafür sorgte, dass ich seitdem keine Spiele einer anderen Fußballreihe (egal, ob PES, Actua oder was auch immer) kaufen würde.

  4. Pingback: Gotta catch’em all – Warum ich nie zu alt sein werde! | Wambologen

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