Wenn die Pflicht ruft …

… ist das Geschrei groß.

Die Rede ist natürlich von Call of Duty. Dieser Blog ist all den CoD-Hatern gewidmet. Denjenigen, die sich bei jeder Fortsetzung aufs Neue tierisch darüber aufregen, wie dieses – Achtung, unflätiges Zitat – „scheiß Spiel“ überall Höchstwertungen abgrast und sich verkauft wie Rabatt-Tickets für den Jurassic Park.
Das Witzige daran: Außer Beleidigungen, Beschimpfungen und schon auf den ersten Blick nicht funktionierenden Argumenten bekommt man nur selten was anständiges zu lesen.
Also, packen wir es an:

Womit verdient Call of Duty mit jeder neuen Version Wertungen jenseits der 85%?

Christian spieltVorab: Ich bin ken CoD-Fanboy. Ja, ich besitze nicht mal ein einziges Spiel der Reihe. David hat Modern Warfare 1+2 sowie Black Ops. Bei ihm habe ich BO einige Male im Splitscreen-Multiplayer gespielt, außerdem habe ich mir die drei Spiele nach und nach ausgeliehen, um mir selber ein Bild von den Kampagnen zu machen.
Ich finde Call of Duty sehr gut, ja vielleicht mehr als das, verspüre aber nicht den Drang, mir die Spiele kaufen zu müssen. Jedes einmal durchgespielt und gut.
Ich finde es allerdings nicht gerechtfertigt, wie dem Spiel ständig entgegengetreten wird.

Ich sage „dem Spiel“, weil sich die Teile, die ich erlebt habe, sehr sehr ähnlich spielen und alle Eigenschaften, positiv wie negativ, auf alle diese drei Titel zutreffen.
Zu Modern Warfare 3 kann ich noch nichts sagen, David meinte jedoch, wenn #2 mir gefallen hat, wird #3 mich völlig aus den Socken reißen (siehe sein Blog zu MW3 und BF3).

Einen Fehler darf man nicht machen: CoD ist ein simpler Action-Shooter. Nicht mehr und nicht weniger. Man darf gerne der Meinung sein, simple Action-Shooter nicht zu mögen. Man darf CoD aber nicht vorwerfen, ein simpler Action-Shooter zu sein.
Genausowenig darf man Fifa 12 vorwerfen, ein Fußballspiel zu sein.
CoD ist besseres Moorhuhnschießen mit großartiger Inszenierung und beeindruckenden, mitreißenden Effekten.
Moorhuhnschießen, Tetris, Sudoku, Pac-Man, Space Invaders, Pong. Das sind sehr schlichte Spiele mit einem einfachen Spielprinzip. Deswegen sind sie aber nicht schlecht.

Es ist sehr linear, in erster Linie ist der Weg von A über B nach C recht strikt vorgegeben. Oftmals gibt es kaum links und kaum rechts, Taktik benötigt man so gut wie gar nicht – nur einen flinken Finger am Abzug der Waffe.
Ich kann absolut nachvollziehen, warum man das nicht mag! Das steht jedem zu! Auch ich habe manchmal gedacht, „Hmm, bei Killzone hätten sie dich jetzt flankiert.“
Ich werfe niemandem vor, etwas nicht zu mögen. Seht, ich komm mit David auch klar, obwohl ich ihn mit Fußball jagen kann.

Aber: Wenn man etwas nicht mag, muss es gleich „scheiße“, „behindert“ und „für Idioten“ sein? Wieso kann man sich in einem Forum nicht normal über CoD unterhalten? Man kommt sich ja fast vor, als müsse man sich schämen, pro CoD eingestellt zu sein. Naja, ich nicht. Ich steh dazu.

Also, wie wir festgestellt haben, ist Call of Duty sehr simpel. Die Steuerung ist eingängig, man muss nirgends knobeln, man muss nur überleben, vorwärts kommen und – klar – schießen.
Das Gameplay ist sehr schlicht und, was viel wichtiger ist, es funktioniert reibungslos. Ich weiß immer, was zu tun ist, die Steuerung macht, was ich will, es macht einfach Spaß.
Allein das macht CoD schon zu einem sehr guten Vertreter seines Genres. Dabei rede ich NICHT vom Genre „Ego-Shooter“, das ja von Doom über Jedi Knight bis hin zu Rainbow Six alles umfasst, wo in der Bildschirmmitte ein bis zwei Hände und eine Waffe zu sehen sind.
Ich rede vom Genre der „Popcorn-Action-Shooter“, einem Untergenre, bei dem die Auswahl naturgemäß nicht mehr so groß ist. Doch in diesem Untergenre ist CoD König.

Den ersten Grund habe ich genannt: Das Gameplay funktioniert und macht Spaß.

Den zweiten Grund liefere ich hintehrer: Die Inszenierung, die Story. Call of Duty reißt einen mit, wie es Popcorn-Action-Filme Marke Con Air, Expendables, Shoot’em’up oder Crank tun. Filme, die einen nicht großartig fordern. Filme, die nicht mit Tolstoi konkurrieren wollen.
Filme, wo wir Kerle zu fünft auf der Couch sitzen, jeder mit nem Bier in der Pranke, die Heimkinoanlage aufgedreht – und wir haben animalischen Spaß.
Szenen wie die Schneemobil-Fahrt aus Modern Warfare 2 oder die Vietnam-Grabenkämpfe aus BlackOps sind es, die aus Call of Duty nicht bloß ein Spiel machen, sondern ein beeindruckendes Erlebnis.
Sicher, mein simples Gemüt ist vielleicht einfacher zu beeindrucken (und zu belustigen … David musste mich schonmal bei Skype blocken, als ich meinen Lachanfall nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte) als das von Marcel Reich-Ranicki.
Aber ich denke, das ist eine Eigenschaft von mir, für die ich sehr dankbar bin. Und ihr, ihr CoD-Hater, die einen Blutdruck von over 9,000 bekommen, wenn sie einen Test mit einer Wertung ab 85% lesen … ihr seid gewiss neidisch auf Menschen wie mich.
Das Leben ist viel schöner, wenn man Spaß daran hat. Und weniger nörgelt.

War es das?
Funktionierendes Gameplay und großartig inszenierte Nonstop-Action? Verdient es sich damit die Höchstwertungen, die es immer absahnt?

JA.

So einfach ist das. CoD macht nicht wahnsinnig viel. Es ist kein Waffen- oder Kriegssimulator. Leute beschweren sich, dass der Rückstoß nicht korrekt abgebildet wird.
CoD ist zu unrealistisch.
Ich bin kein Waffenexperte, ich war nie beim Militär, ich kann das also nicht beurteilen. Ich schenke diesen Menschen einfach mal Glauben.
Setze aber hinterher: Im Spiel merke ich deutlich den Unterschied zwischen Sturmgewehr, Uzi und Maschinenpistole.
Muss ein Spiel alles akkurat darstellen? Wenn ja, wie weit?
Was ist mit einem Flugsimulator wie A-10C Warthog? Ist er einem Action-Flugspiel wie Ace Combat: Assault Horizon automatisch überlegen, weil er simulationslastiger ist?

Oftmals wird die Länge des Spiels bemängelt. Bei MW2 hatte ichs schwarz auf weiß, die Statistik zeigte mir eine Spielzeit von knapp über 7 Stunden an. Black Ops und MW1 dauerten sicher auch nicht wesentlich länger.
In der Tat: Das ist nicht viel.
…… Im Vergleich zu?
Die Sache ist doch ganz einfach. Eine Folge Phineas & Ferb oder Cosmo & Wanda ist unterhaltsamer als die Twilight-Trilogie. Sind es mehr Filme? Lasst das nicht George Lucas hören.
CoD ist kurz, aber knackige 7 Stunden hochgradige Unterhaltung und Nervenkitzel ohne Pause ist mehr wert als 30 Stunden mit viel Leerlauf und langweiligen Abschnitten.
Ein CoD, das man mittels Töte-40-Wölfe-Missionen streckt, wird dadurch zwar länger. Aber nicht besser.
Also: Schade, dass die Spiele nicht länger gehen, aber in Ordnung. Selbst diese 7 Stunden mit so viel spannenden Ideen zu füllen, finde ich schon beachtlich.

Ich habe einmal gelesen, wie jemand sagte, er könne mit der überzogenen Bombast-Handlung nichts anfangen. Sie berühre ihn überhaupt nicht.
Nun, damit bin ich auch einverstanden, denn jeder Jeck ist schließlich anders. Ist in diesem Fall nur leider nicht mehr als „Ich kann mit Fußball nichts anfangen“. Das macht Fifa 12 aber nicht gleich zu nem „Scheißspiel“.

Im Ernst: Aus meinem Standpunkt heraus, dass ich Call of Duty großartig finde, wurde mir bereits vorgeworfen, ich hätte keine Ahnung und keine Erfahrung in dem Genre Ego-Shooter. In meiner Gamer-Biografie finden sich genau drei Vertreter. Das sind Half-Life, Star Wars: Jedi Knight und Alien Trilogy.
Dass das längst nicht alle sind, die ich in meiner bisherigen Daddler-Vita gespielt habe, ist hoffentlich klar:
Doom, Star Trek: Elite Force, Unreal Tournament, Quake, Tactical Ops, Killzone, F.E.A.R., Rage, Star Wars: Republic Commando, Swat 3, Medal of Honor, Redneck Rampage, C&C Renegade, Star Wars: Battlefronts, Alien vs. Predator, No one lives forever, Blood, Frontlines, Halo, Counterstrike (ein bisschen jedenfalls), Killing Floor (im Moment abends häufiger mit David und anderen), Battlefield …
ich finde schon, dass ich ein wenig Erfahrung mit dieser Art von Spielen gesammelt habe. Auch wenn ich bei weitem nicht jedes kenne.
Ich sollte langsam wissen, wann ich einen guten Ego-Shooter spiele.

Call of Duty ist nicht mein Lieblings-Shooter. Mit Jedi Knight habe ich damals Monate verbracht. Killzone 2+3 haben mir vom Spiel her mehr Spaß gemacht.
Auf Dauer ist CoD mir zu simpel, ich würde es nicht innerhalb kurzer Zeit ein weiteres Mal daddeln.

Doch ganz ohne Frage – diese jeweils 7 Stunden gehören zu den intensivsten, die ich je in einem Videospiel erlebt habe.

Ende.

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4 Antworten zu Wenn die Pflicht ruft …

  1. Yugo schreibt:

    Sehr gut geschrieben, unterschreibe ich so!!!

  2. Everplayer schreibt:

    Schön gerschrieben und Argumentiert, jetzt möchte ich auch ein Statement abgeben:
    Ich stimme dir zu, das Gameplay ist grundsolide, macht Spaß (besonders im Multiplayer) und ist nicht so komplex wie in anderen Shootern (wobei das relativ ist :D). Leider muss ich trotzdem zwei große Kritikpunkte aufführen, die besonders bei MW2 auftreten: Die Story und die Gewalt. Ich möchte hier nicht verallgemeinern, bei BO1 hat mich die Geschichte durchaus gepackt (Kalter Krieg, Vietnam, etc.), auch wenn sie nicht an ein Half-Life herankam, besonders bei den Modern-Warefare Teilen muss man aber teilweise mit einer Lupe nach der Logik suchen. Warum lässt man einen Terroristen einfach ein Blutbard an Zivilisten durchführen („Flughafen-Szene“), anstatt ihn davor still und heimlich aus den Weg zu räumen? Womit wir auch beim nächsten Thema wären: Der Gewalt. Warum hat man diese unnötige Flughafen-Szene eingabaut? Publicity? Dann ist ihnen das echt gelungen. Wenn früher Leute gesagt haben, dass man in CS:S Gegner möglichst brutal erledigen muss, oder (das stand mal in der TZ München -_-) Frauen mit Kindern ermorden muss, konnten wir Gamer einfach sagen: „Stimmt nicht“. Wenn nun aber jemand behauptet: „In MW2 muss man an einem Flughafen hilflose Zivilisten mit einem MG niedermetzeln, können wir nur kleinlaut zugeben: „Stimmt leider“. Aber ich komme vom Thema ab. Wären diese beiden Kritikpunkte nicht, wäre Call of Duty (und besonders MW2) ein echt gutes Game. So hat mir zwar der Multiplayer viel Spaß gemacht, die Kampange fand ich aber (fast) immer einfach schlecht. Aber ich respektiere auch Leute, die CoD spielen, warum auch nicht? Jeder spielt das, was ihm Spaß macht 🙂
    Ich glaube, ich gehe gleich mal ne Runde Half-Life zocken 😀

    Grüße,
    Everplayer

    PS: Ich stimme dir in einer Argumentation sonst komplett zu (Inszenierung, etc.)

    • Wambologen schreibt:

      (Christian-Comment) Danke für die Rückmeldung! Tjaha, die Flughafen-Szene … ich muss sagen, heute weiß ich selber nicht, wie ich sie einordnen soll. Ob „gut“, ob „schlecht“, ob „richtig“, ob „falsch“. Damals, als ich CoD noch nicht selber gespielt und die Flughafenszene auch nur aus der Vorberichterstattung kannte, war ich auch völlig dagegen. Auch in meinen Augen wurde da schlicht eine Grenze überschritten. Dann bekam ich das Spiel allerdings in die Hände und hey – ich merkte plötzlich, wie diese Szene auf mich wirkt. Es dürfte schwer sein, den Flughafen ohne Kloß im Hals zu spielen, vor allem mit dem Zusammenhang, der vorher und am Ende der Mission geliefert wird.
      Von daher … ja, einerseits Steilvorlage für die Anti-Killerspiel-Fraktion. Andererseits Eine Szene, die von der Emotionalität nur von wenigen anderen Spielen übertroffen werden (aktuell z.B. schon der Prolog von The Last of Us).

      Für sich gesehen kann ich es immer noch nachvollziehen, wie man sich komplett dagegenstellt. Aber wie gesagt, sieht man den Level im Kontext, entfaltet er erst seine „wahre Natur“. Und dann, denke ich heute, war es „gut“, „richtig“.

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