[PS3] Valkyria Chronicles

Freundschaft.
Kameradschaft.
Zusammenhalt.
Tapferkeit.
Rassismus.

Ein Kriegsepos?

Liebe.
Schweinchen mit Flügeln.
150 Meter lange Panzer.

Ein Nippon-Kriegsepos – Grüße!

Christian spieltIm fiktiven Europa der 30er Jahre herrscht erneut Krieg zwischen dem Empire und der Federation. Zunächst unbeteiligt und neutral liegt zwischen den Fronten das kleine Königreich Gallia, welches eine Mischung aus Holland und Schweiz darstellen könnte. Gallia ist reich an Bodenschätzen – insbesondere am seltenen und besonders kostbaren Ragnit, einem Erz, aus dem gleichermaßen Medizin, Sprit wie auch Sprengstoffe hergestellt werden.
Und so wird Gallia bald Ziel des Empires, das in einem massiven Blitzangriff versucht, Gallia unter seine Kontrolle zu bringen und mit Hilfe des Ragnits den Krieg für sich zu entscheiden.
Doch ist es ausgerechnet die Miliz, insbesondere in Form der Hauptfigur Welkin Gunther in seinem Panzer Edelweiss, die dem scheinbar hoffnungslos überlegenen Feind am tapfersten und trickreichsten gegenübertritt.
Welkin Gunther, zu Beginn des Konflikts noch Student, besucht in seinem Urlaub sein Heimatstädtchen Bruhl, welches an der Ostgrenze zum Empire liegt. Er muss miterleben, wie der Konflikt ausgerechnet in Bruhl ausbricht und hilft an Seite des örtlichen Miliz-Captains Alicia Melchiott dabei, die Einwohner zu evakuieren.
Dies bewegt ihn und Alicia dazu, in der gallianischen Hauptstadt Randgriz der Miliz beizutreten, wo Welkin, Sohn eines Kriegshelden, das Squad 7 übernimmt.

Am letzten Sonntag, nach insgesamt 43 Spielstunden, wurde ich mit dem Abspann belohnt. Abspann? Ohja, eines der ungeheuer vielen und stark präsentierten 3D-Anime-Videos, die die Geschichte weitertragen.

Doch was ist Valkyria Chronicles eigentlich? Ein Strategiespiel? Ein 3rd-Person-Shooter? Ein JRPG?
Es ist ein bisschen was von allem, am ehesten kann ich es noch mit dem guten alten Jagged Alliance 2 vergleichen.
Das Spiel ist unterteilt in den Bücher-Modus, das Hauptquartier und letztendlich die Schlachten.
Im Ersteren sieht man eine Art aufgeschlagenes Comicbuch, wobei jedes Bild für eine Video- oder leicht animierte Bildersequenz steht. Jede Doppelseite stellt ein Kapitel dar, und in der Regel leitet eines (maximal 2) der Bilder eine Schlacht ein. Von diesem Büchermodus aus hat man auch Zugriff auf weitere Reiter, in denen man zusätzliche immer aktualisierte Informationen (z.B. über das Empire, die Historie sowie die im Spiel vorkommenden Personen und Waffen) abrufen kann.
Im Hauptquartier kümmert man sich um das Training seiner Soldaten, die Zusammenstellung des Squads sowie die Weiterentwicklung der Waffen und des Panzers. Auch kann man von hier aus weitere Orte besuchen, an denen man Kampfbefehle lernen, Belohnungen in Form von Orden und Spezialwaffen abholen und optionale Kapitel freischalten kann. Dafür benötigt man Erfahrungspunkte und Geld, was man beides durch gewonnene Schlachten und beliebig oft spielbare Scharmützel verdienen kann.

Zuletzt die Schlachten: Zu Beginn gibt es ein kurzes Missionsbriefing, anschließend stellt man auf der Übersichtskarte bis zu 10 Einheiten auf, bestehend aus dem Panzer Edelweiss, Scouts, Shocktroopern (mit Sturmgewehren), panzerbrechenden Lancern, Scharfschützen und Mechanikern, die als einzige in der Lage sind, Panzer zu reparieren, Landminen zu entschärfen und Munition aufzufüllen. Hier liegt an sich mein einziger wirklicher Kritikpunkt am Spiel: Die Aufstellungsphase ist praktisch Glücksspiel. Anhand des Briefings und der Übersichtskarte legt man sich zwar im Kopf einen Plan zurecht und stellt demnach seine Truppen auf, merkt dann aber bereits in der ersten Runde des Kampfes, dass die Karte völlig anders funktioniert und man ganz anders hätte planen müssen.
Ist man zufrieden mit den Positionen, beginnt die erste Runde. Man fängt mit einer gewissen Anzahl an Kommandopunkten an, die dadurch bestimmt wird, welche Soldaten man mit sich führt (Alicia, Rosie und Largo geben jeweils einen zusätzlichen CP). Diese CP setzt man dazu ein, um auf der Übersichtskarte eine Einheit auszuwählen (Fußtruppen verbrauchen 1 CP, Panzer 2). Dann wechselt das Spiel in einen quasi-Echtzeit-3rd-Person-Shooter: Eine Energieleiste bestimmt, wie weit man sich bewegen kann. Gegnerische Truppen bleiben zwar an Ort und Stelle, eröffnen jedoch das Feuer (zumindest Scouts, Shocktrooper, Mechaniker und Panzer-MGs), wenn man in Reichweite kommt. In dieser Phase kann man an beliebiger Stelle eine Aktion durchführen – z.B. Angriff oder Heilung. Natürlich sollte man zusehen, dass der Soldat am Ende seines Zugs möglichst in Deckung steht. Beendet man diesen Zug, landet man wieder auf der Übersichtskarte, wo man entweder die nächste Einheit auswählt, oder die gleiche, um sie noch weiter zu bewegen und eine zweite Aktion durchzuführen. Bei jeder erneuten Auswahl ist die Bewegungsleiste jedoch kürzer als beim vorherigen Mal, sodass man auch das klug einplanen sollte.
Alternativ kann man von der Übersichtskarte aus für 1-3 CP auch Kampfbefehle erteilen, die einen Angriffs- oder Verteidigungs-Bonus geben oder eine Sanitäterin rufen können, die Verwundete vom Schlachtfeld bringt. Speichern ist hier auch jederzeit möglich – kostet selbstverständlich keine CP.
Beendet man die Runde, ist der Gegner dran, der natürlich genauso ins Sperrfeuer der Miliz laufen kann. Was mir oft den Hals gerettet hat, spieltechnisch aber ziemlich unlogisch ist: Nicht selten lässt die KI zu viele CP am Ende seiner Runde stehen, obwohl eine einzige Aktion dafür sorgen könnte, dass er die Edelweiss zerstört und ich die Schlacht somit verliere. Zwar werden nicht verbrauchte CP teilweise in die nächste Runde mitgenommen, aber kommt schon – da verbaut sich die KI wirklich unnötig den Sieg.
Die Ziele der Schlachten sind sehr vielfältig. Mal geht es darum, strategische Punkte zu erobern, mal wollen alle gegnerische Einheiten ausgeschaltet werden, mal soll man eine Brücke zerstören, mal muss man einfach nur überleben.
Zusätzlich verfügen alle Soldaten neben einer eigenen Geschichte und zahlreichen Sprüchen über Eigenschaften und Potenziale. Alicia z.B. kämpft besonders gut in der Natur, andere wiederum fühlen sich auf Asphalt am wohlsten. Jann (wundervoll sympathisch-tuckig, entschuldigt sich bei Gegnern, die er verletzt oder ausschaltet) hegt eine besondere Zuneigung zu Largo, die ihn in dessen Nähe besser kämpfen lässt. Largo hingegen hat eine bestimmte Chance, beim nächsten Angriff auf einen Panzer einen besonders starken Schuss abzugeben. Wiederum andere fühlen sich sehr unwohl, wenn sie Seite an Seite mit einem Darcsen kämpfen müssen.
Darcsen sind soetwas wie die Juden des VC-Universums, ein Volksstamm, der auf dem ganzen Kontinent mit Vorurteilen und Rassismus zu kämpfen hat, da die Darcsen für ein großes Unglück, bei dem viele Menschen ums Leben gekommen sind, verantwortlich gemacht werden. Bezeichnenderweise geht es in einer Mission darum, ein Arbeitslager des Empires zu befreien, in dem viele Darcsen gefangen gehalten werden. Da einige Mitglieder des Squad 7 die Toleranz und Einstellung ihres Anführers (dessen adoptierte Schwester Isara übrigens auch Darcsen ist) nicht teilen, geht nicht jeder mit der gleichen Motivation das scheinbare Himmelfahrtskommando an.

Es sind die vielschichtigen, bunten Charaktere, die das Herz des Spiels ausmachen. Viele von ihnen machen überraschende Entwicklungen durch, jedem von ihnen merkt man den Fortschritt des Krieges an. Doch auch bei den anderen Parteien gibt es kaum schwarz/weiß: Sehr bewegend ist der Teil, in dem sich Welkin und Alicia allein durch einen Wald schlagen müssen und dort auf einen schwer verletzten imperialen Soldaten treffen. Sie versuchen, ihm zu helfen, er erliegt in der Nacht dennoch seinen Wunden, sodass die beiden Gallianer (ich sage extra nicht Gallier) ihn begraben. Ein Offizier des Empires, der bei der Suche nach seinem Soldaten mit seinem Trupp dazustößt, gestattet den Milizionären dafür den Abzug.
Die Generäle des Empires, die unter Heerführer Prinz Maximilian dienen, haben alle ihre eigenen, nachvollziehbaren Beweggründe. Selvaria, als Valkyria mit außergewöhnlichen Kräften ausgestattet, kämpft um Liebe und Anerkennung. Jaeger erhofft sich durch seine Leistungen mit der Unabhängigkeit seiner vom Empire eroberten Heimat belohnt zu werden.  Lediglich der sadistische Giorgios Geld, Captain der imperialen Armee und Antagonist einer kurzen Episode, der eine persönliche Freude an Folter und Mord vor allem bei Zivilisten verspürt, liefert ein perfektes Feindbild – so perfekt, dass er den sonst so rücksichtslosen Maximilian zu einer menschlichen und „gerechten“ Tat drängt.
Nur der durchgehend unsympathische und sinnlos arrogante General Damon der gallianischen Armee, der die Milizen trotz ihrer konstanten und wichtigen Erfolge nur als Kanonenfutter sieht, wirkt bis zum Ende einfach nervig und überzeichnet.

Für mich war Valkyria Chronicles ein absolut einmaliges Spielerlebnis, meiner Meinung nach eines der wichtigsten Spiele, die je hergestellt wurden. Allein schon, dass es auf derzeitigen Konsolen praktisch konkurrenzlos ist (außer R.U.S.E. fällt mir kein anderes ordentliches Strategiespiel ein), macht es zum Unikat – spätestens aber das originelle Kampfystem und die ungeheuer emotionale, stets fesselnde und mit genialen Wendungen gespickte Story sorgt dafür, dass VC einen absoluten Ehrenplatz in meiner Spiele-Top-Liste einnimmt.
Deswegen schäme ich mich auch nicht dafür, dass dieses Spiel bei mir zweimal für nasse Augen gesorgt hat.
Zwar kommt die Geschicht anime-typisch nicht ohne ein bisschen Kitsch aus, doch empfand ich ihn nie als störend, sondern immer passend. Das gehört dazu! Dabei habe ich mich sogar selbst erwischt, wie ich manchmal – GZSZ-mäßig, Götter im Himmel – dachte: „Wann kriegen sich Welkin und Alicia endlich?“
Ähnlich wie bei Jagged Alliance 2 wuchsen mir die Charaktere unheimlich ans Herz. Unter keinen Umständen durfte ich zulassen, dass einer meiner Soldaten stirbt (was nur passiert, wenn er verletzt am Boden liegt und dann vom Gegner berührt wird). Der Umstand, dass eine der Scharfschützinnen auch noch den Namen meiner Tochter trägt (hachja, die Papadrüse), buttert natürlich ordentlich oben noch was drauf. Ich mag Butter.
Übrigens: Neben der englischen ist auf der Blu-ray auch die originale japanische Tonspur enthalten, dafür jedoch keine deutschen Texte.
Außerdem darf ich hinzufügen, dass Valkyria Chronicles eine der ersten Demos war, die ich mir aus dem Playstation Network gezogen habe.

Ich komme nicht umhin, über den grandiosen Soundtrack zu sprechen! Bereits die militaristische Main Theme (Achtung, Spoiler in den Kommentaren) sorgt für Gänsehaut, viele weitere Tracks wie dieses Schlachtlied greifen das Hauptthema immer wieder auf. Und nicht nur bei Filmen ist mir der Soundtrack sowieso besonders wichtig.

Die beiden Nachfolger sind bisher leider nur auf der PSP erschienen, ich hoffe jedoch inständig, dass sie – genau wie God of War oder Metal Gear Solid – eine nachträgliche Umsetzung als HD-Version auf der PS3 bekommen. Immerhin wird dort die Geschichte Gallias weitererzählt!

Darüber hinaus existiert auch eine Anime-Serie, allerdings ist sie glaube ich nie außerhalb Japans erschienen. Kann ja noch werden! Das gleiche gilt für die beiden zu VC erschienenen Manga-Serien.

Wertung? Ja, ich habe das Bedürfnis, dieses Spiel abschließend noch in Zahlen zu fassen. Ich halte allerdings nichts vom weit verbreiteten Prozentsystem, besonders bei Wertungen von unter 40% fass ich mir gedanklich an den Kopf. Kann ein Spiel noch weniger Spaß machen als „keinen Spaß“? Also beschränke ich mich auf 0.5er-Schritte.

Note: 9.0 / 10
Empfehlung für: Strategie-Fans (insbesondere Rundenstrategie), Leute, die Anime mögen, JRPG-Anhänger, JA2-Veteranen und für diejenigen, die einfach einigermaßen stressfrei eine großartige Geschichte erleben wollen.

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3 Antworten zu [PS3] Valkyria Chronicles

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